Wie häufig und wofür werden Intermediäre genutzt?
Fast alle Menschen, die online sind, nutzen täglich mindestens einen Intermediär. Doch Suchmaschine ist nicht gleich Feed, und Unterhaltung ist nicht gleich Information. Ein Überblick über Nutzungsmuster und das, was sie über den Weg zu Nachrichten verraten.
- Suchmaschinen sind der gezielteste, Feeds der zufälligste Weg zu Nachrichten.
- Jüngere Menschen informieren sich deutlich häufiger über Plattformen als ältere.
- Viele Nachrichtenkontakte in sozialen Medien sind beiläufig, nicht gesucht.
Vier Typen, vier Nutzungsweisen
Unter dem Begriff Intermediär werden sehr unterschiedliche Dienste zusammengefasst. Für die Frage, wie Menschen zu Informationen kommen, lohnt es sich, sie auseinanderzuhalten:
| Typ | Typische Nutzung | Weg zu Nachrichten |
|---|---|---|
| Suchmaschinen | gezielte Fragen, Nachschlagen, Navigation zu bekannten Seiten | aktiv: Man sucht ein Thema und wählt aus Treffern |
| Soziale Netzwerke | Kontakt halten, unterhalten werden, mitreden | beiläufig: Nachrichten erscheinen zwischen privaten Beiträgen |
| Videoplattformen | Unterhaltung, Anleitungen, Erklärvideos | gemischt: Suche plus Empfehlungen |
| Messenger | private Kommunikation, Gruppen | weitergeleitet: Links und Bilder von Bekannten |
Eine Suchmaschine nutzt man meist mit einer Absicht. Ein Feed dagegen serviert Inhalte, nach denen niemand gefragt hat. Für die Meinungsbildung ist beides bedeutsam, aber auf unterschiedliche Weise.

Wer sich wo informiert
Große Befragungsreihen wie der Digital News Report des Reuters Institute oder die ARD/ZDF-Onlinestudie zeigen für Deutschland seit Jahren einige stabile Tendenzen:
- Das Alter trennt am stärksten. Unter jüngeren Erwachsenen sind soziale Netzwerke und Videoplattformen für viele eine Hauptquelle für Nachrichten. Ältere Menschen nutzen weiterhin vor allem Fernsehen, Radio und Nachrichtenseiten direkt.
- Die Plattformlandschaft verschiebt sich. Facebook hat bei Jüngeren an Bedeutung verloren, während Instagram, YouTube und vor allem TikTok zugelegt haben. Mit jedem Wechsel ändern sich die Formate: vom Link zum Video, vom Text zum Kurzclip.
- Direkter Zugang bleibt wichtig. Viele Menschen rufen die Seite oder App einer bekannten Nachrichtenmarke weiterhin direkt auf. Suchmaschinen und Feeds ergänzen diesen Weg eher, als dass sie ihn vollständig ersetzen.
- Vertrauen ist geringer. Nachrichten, die in sozialen Medien gesehen werden, wird im Durchschnitt weniger vertraut als Nachrichten aus bekannten Medienmarken.
Wer genaue und aktuelle Zahlen sucht, sollte die jeweils neueste Ausgabe dieser Studien heranziehen – die Anteile verschieben sich von Jahr zu Jahr.
Beiläufig informiert
Ein wichtiger Befund der Nutzungsforschung lautet: Viele Menschen stoßen in sozialen Medien auf Nachrichten, ohne danach gesucht zu haben. Das kann positiv sein – auch wenig interessierte Menschen bekommen etwas vom Weltgeschehen mit. Es hat aber eine Kehrseite. Beiläufig wahrgenommene Nachrichten werden oft nur als Überschrift oder Vorschaubild registriert. Manche Befragte glauben, ausreichend informiert zu sein, weil „die wichtigen Nachrichten einen ohnehin finden“.
Unterhaltung und Information verschwimmen
Auf Plattformen stehen Nachrichten, Meinungsbeiträge, Satire, Werbung und private Beiträge unmittelbar nebeneinander. Die klassische Trennung von Ressorts und Formaten löst sich auf. Für Nutzer ist nicht immer erkennbar, ob ein Video von einer Redaktion, einer Partei, einem Unternehmen oder einer Privatperson stammt. Das macht Kennzeichnungspflichten und die Auffindbarkeit verlässlicher Angebote umso wichtiger.
Was das für Vielfalt bedeutet
Die Nutzung von Intermediären ist nicht per se ein Problem für die Medienvielfalt. Kritisch wird es, wenn sich die Wege zu Informationen auf wenige Dienste verengen, die nach eigenen, kaum überprüfbaren Kriterien sortieren. Genau hier setzen Ansätze wie die Zehn Thesen zur digitalen Medienvielfalt an.