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Nachhaltig vor Ort: Wie sichern wir die Zukunft des Lokaljournalismus?

Welche Förderung braucht Lokaljournalismus in der digitalen Welt?

„Wir brauchen Qualitätsjournalismus,“ forderte Außenminister Heiko Maas auf der diesjährigen –  erstmals digitalen – Media Convention Berlin. Doch in der Praxis steht insbesondere der Lokaljournalismus vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Wieso ist Lokaljournalismus so wichtig und warum braucht es nachhaltige Fördermodelle?

In der demokratischen Gesellschaft nehmen lokale Medien eine wichtige Funktion wahr. Durch sie können sich die Bürgerinnen und Bürger über das Geschehen vor Ort informieren, sich eine Meinung bilden und so an gesellschaftlichen und politischen Debatten teilhaben. Einer Studie des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zufolge ist der Lokalteil der Zeitungen bei deren Leserinnen und Lesern am beliebtesten. Insbesondere in Krisenzeiten wie der derzeitigen COVID-19-Pandemie sind lokale Medien daher unverzichtbar. In der Krise steigt das Interesse am Lokaljournalismus, doch die Anzeigenkunden fallen oft weg. Dies schließt an eine Entwicklung an, mit der der Lokaljournalismus in den letzten Jahren zunehmend konfrontiert ist: Regionale und lokale Tageszeitungen verlieren an Reichweite, traditionelle Werbemärkte verlagern sich ins Digitale und so wird die Lage für die Anbieter immer schwieriger. In einigen Regionen kann eine flächendeckende Versorgung mit lokalen Medien schon jetzt kaum noch sichergestellt werden.

Juliane Adam, Geschäftsführerin von Radio Potsdam, bestätigte das große Interesse am Lokaljournalismus. Bürgerinnen und Bürger möchten sich darüber informieren, wie hoch die Infektionszahlen in ihrem Wohnort sind und welche Beschränkungen und Regeln dort gelten. Von dieser außergewöhnlichen Situation erhoffe sie sich, dass die Anerkennung des Lokaljournalismus wieder zunehme und dieser sein zu Unrecht als „verstaubt“ wahrgenommenes Image ablegen könne. Doch die Zeit dränge: Wenn nicht schnell Lösungen gefunden werden, befürchte sie, dass rund die Hälfte der Lokalsender die Corona-Krise nicht überstehen werden.

Wie kann eine Finanzierung des Lokaljournalismus gesichert werden?

Das Land Brandenburg will den Lokaljournalismus in den nächsten vier Jahren mit jährlich 1,5 Millionen Euro fördern. Diese Förderung schließt an den neuen Medienstaatsvertrag zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg an, der seit Oktober 2019 gilt. Erstmalig ist dadurch die Förderung von journalistischen Inhalten rechtlich möglich. Der Medienanstalt Berlin-Brandenburg kommt dabei die Aufgabe zu, diese neue Förderung zu organisieren. „Konkret denken wir über ein Modell nach, das Veranstaltern von Rundfunk und Online-Inhalten eine Förderung ermöglicht, wenn sie neue professionelle lokaljournalistische Inhalte produzieren“, so mabb-Direktorin Anja Zimmer. Die Medienrätin Bärbel Romanowski-Sühl sieht durch den neuen Medienstaatsvertrag zusätzliche Möglichkeiten, Lokaljournalismus besser als bisher zu fördern. Ziel sei es, dass „die Zuschauer und Zuschauerinnen vor Ort ihre Lokal-TV-Sender auch weiter als authentische und unabhängige Informationsquelle über ihr unmittelbares Umfeld schätzen“.

Im neuen Medienstaatsvertrag Berlin-Brandenburg ist die Förderung von Anbietergemeinschaften, also einer Zusammenarbeit beispielsweise von Rundfunk und Online besonders hervorgehoben. Die neue lokaljournalistische Förderung soll daher plattformübergreifend sein. Auch neue und innovative Angebote und Formate gilt es stärker auszubauen, damit Lokaljournalismus auch bei immer stärkerer rein digitaler Nutzung eine Zukunft hat.

Welche Chancen eröffnen digitale Entwicklungen für den Lokaljournalismus?

Vor allem die sozialen Netzwerke bieten eine große Chance für den Lokaljournalismus: Dieser fand schon immer zu einem großen Teil in Netzwerken und Gemeinschaften statt. Bürgervereine und -gruppen bewegen sich nun zunehmend im digitalen Raum – und der Lokaljournalismus sollte dieser Entwicklung folgen. Durch die Möglichkeiten einer direkten Interaktion und Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern können Beziehungen gestärkt werden. Diese Möglichkeiten scheinen bereits viele Lokalredaktionen erkannt zu haben und probieren sich zunehmend in neuen digitalen Formaten aus. So lässt sich der lokale Rundfunksender Hauptstadt TV via Instagram-Stories bei der Produktion über die Schulter blicken. Projekte wie Wir zu Lande helfen dabei, Bürgerinnen und Bürger selbst zu Produzenten zu machen und ihre Inhalte über lokale digitale Plattformen zu verbreiten.

Solche Formate gilt es in der Zukunft zu fördern und zu stärken, einerseits mit finanziellen Ressourcen, aber auch mit technischer Unterstützung. Nicht zuletzt müssen die Nutzerinnen und Nutzer, die sich häufig bereits an eine unbegrenzte kostenfreie Verfügbarkeit von Informationen gewöhnt haben, von neuen Bezahlmodellen überzeugt werden. 

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Die besondere Situation des Lokaljournalismus während der Coronakrise wurde auf der diesjährigen Media Convention Berlin diskutiert. Mehr information und eine Aufzeichnung des Panels finden Sie hier: From zero to hero? Lokaljournalistische Vielfalt im Umbruch?

Recherche und Text: Lena Krampitz

Erschienen am: 17.07.2020

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